Themenworkshops 2018

Erstellen von Praxislernaufgaben mit Berufsbezug

Am 31. Mai 2018 veranstaltete die Koordinierungsstelle Praxislernenunter der Leitung der Praxislernberaterinnen Jessica Dzengel und Agnes Lemme einen Workshop zum Thema „Erstellen von Praxislernaufgaben mit Berufsfeldbezug“ beim regionalen Ausbilungsbetrieb CEMEX Zementwerk GmbH in Rüdersdorf bei Berlin.

Überblick zum Ablauf der Veranstaltung

13:00 bis 13:10 Uhr
Cemex stellt sich vor
Geschichte des Betriebes,
Überblick über die Produktionsabläufe und Produkte,
Vorstellung von zwei Ausbildungsberufen -Verfahrensmechaniker, Industriemechaniker-, Arbeitsschutzbelehrung
13:10 bis 13:40 Uhr
Input der Koordinierungsstelle Praxislernen
Bezug zur Berufswahlkompetenz
Aktuelle Rahmenbedingungen – PXL ist ein Baustein der BStO
BStO als ein übergreifendes Thema im Rahmenlehrplan verankert
Qualitätskriterien
Verknüpfung des Lernortes Schule mit dem Lernort Praxis durch fächerübergreifende Lernaufgaben
13:40 bis 13:50 Uhr
Input Gute Beispiel Schule Anne-Frank-Oberschule Strausberg
Anfang und Entwicklung von Praxislernen an der Schule,
beteiligte Fächer und Aufgabenteilung,
fachübergreifende/fächerverbindende Erstellung von Aufgaben und Benotung
13:50 bis 14:10 Uhr Mittagspause
14:15 bis 15:30 Uhr
Betriebsbesichtigung
15:45 bis 16:25 Uhr
Erarbeiten von Praxislernaufgaben anhand der gesammelten Informationen & Diskussion
16:25 bis 16:30 Uhr
Abschluss & Ausblick
 

1. Zielgruppe für den Workshop

1.1 Zielgruppe Schulen

Die Auswahl der Schulen erfolgte auf Grundlage folgender Kriterien:

  • aus einer Region bzw. aus angrenzenden Regionen (Südostbrandenburg).
  • Berücksichtigung aller Schulformen (Gesamtschulen, Oberschulen, Schulen mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Lernen).
  • Unterschiedliche Erfahrungen mit Praxislernen, unterschiedlicher Umsetzungstand beim Praxislernen.
  • Schulen, die bereits Beratung von der Koordinierungsstelle Praxislernen in Anspruch genommen haben.

Insgesamt wurden 21 Schulen schriftlich eingeladen. Angemeldet haben sich:

  • Lise-Meitner-Oberschule Strausberg: Frau Friedland (stellvertretende Schulleiterin) und Frau Zelke, Einführung von PXL in Betrieben geplant ab Sj 2019/2020
  • Schule mit sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Lernen „Clara Zetkin“ Strausberg: Frau Firlus
  • Oderbruchschule Neutrebbin: Herr Pohl (BStO Verantwortlicher), Einführung von PXL in Betrieben geplant ab Sj 2018/2019
  • Mühlendorf Oberschule Teltow: Herr Fischer (BStO Verantwortlicher), Einführung von PXL in Betrieben geplant ab Sj 2019/2020
  • Maxim-Gorki-Gesamtschule Kleinmachnow: Frau Hennicke, Einführung von PXL in Betrieben geplant ab Sj 2019/2020
  • Anne-Frank-Oberschule Strausberg: Frau Kaminski, Frau Schimmack (Gute Beispiel Schule), PXL erfahrene Schule

Zusätzlich haben Kolleginnen und Kollegen des Netzwerke Zukunft. Schule Wirtschaft für Brandenburg e.V. Interesse an der Veranstaltung bekundet und sich ebenfalls angemeldet:

  • Grund- und Oberschule Müllrose: Uwe Buscha (regionaler Koordinator für die Region MOL, LOS und FFO)
  • Goethe Oberschule Eberswalde: Andrea Zimmermann (erfahrene Dozentin für die Lehrkräfte-Fortbildungen zum Praxislernen)
  • Ehm-Welk-Oberschule Angermünde: Birgit Holzapfel (erfahrene Dozentin für die Lehrkräfte-Fortbildungen zur Berufswahlkompetenz und BUSS Beraterin Praxislernen für die Region UM und BAR)

1.2 Zielgruppe: Praxislernort Betrieb

Zentrale Auswahlkriterien für ein Unternehmen aus der Region waren:

  • Ausbildungsbetrieb für unterschiedliche Berufe.
  • Ausbildungsbetrieb, der Ausbildungen für alle potenziell möglichen Schulabschlüsse anbietet.
  • Guter Kooperationspartner für Schulen der Region.
Zum ausgewählten Unternehmen:
Die CEMEX Zementwerk GmbH in Rüdersdorf ist ein sehr bekanntes regionales Unternehmen, das weltweit Kunden beliefert.
CEMEX bildet in den Bereichen kaufmännische Berufe und gewerblich-technische Berufe aus, die jeweils unterschiedliche Voraussetzungen (von Hauptschulabschluss bis zur Fachoberschulreife) erfordern. Das Unternehmen bietet Schülerbetriebspraktika für Schülerinnen und Schüler in der Region an (Leider ist der Standort des Unternehmens mit den öffentlichen Verkehrsmittel jedoch ungünstig zu erreichen). Praktika mit einem erhöhten Betreuungsaufwand werden nach Aussage des Unternehmens nicht durchgeführt, da keine entsprechenden Personalressourcen vorhanden seien. Als ein möglicher Praxislernort bei CEMEX käme allerdings die Abteilung Baustoffprüfung in der Ausbildungshalle in Frage. Die Gewinnung des Betriebes als Veranstaltungsort gestaltete sich unkompliziert, da das Unternehmen regelmäßig Betriebsbesichtigungen für Interessierte aus verschiedenen Handlungsfeldern anbietet und darüber hinaus sehr engagiert im Bereich Nachwuchskräftesicherung agiert.
 

2. Verlauf des Workshops

1. Frau Gardner, Ausbildungskoordinatorin bei CEMEX, stellte das Werk, seine Geschichte und die Produkte kurz vor. Die Ausbildungsberufe Verfahrenstechniker und Industriemechaniker sowie deren Einsatzgebiete wurden detaillierter beleuchtet.
2. Die Koordinierungsstelle Praxislernen gab einen Überblick über die aktuellen Rahmenbedingungen zum Praxislernen, wies auf die Verankerung von Praxislernen im BStO-Konzept einer Schule hin (BStO laut Rahmenlehrplan Querschnittsaufgabe für alle Unterrichtsfächer), erläuterte die neuen Qualitätskriterien zum PXL mit dem besonderen Fokus die Kriterien, die für die Praxislern-Aufgabenerstellung besondere Relevanz haben.3. Frau Kaminski und Frau Schimmack – beide Teil des vierköpfigen Praxislernteams der Anne-Frank-Oberschule in Straußberg – erläuterten den Entwicklungsprozess bei der Erstellung von Praxislernaufgaben und stellten aktuelle Lernaufgaben vor. An der Anne-Frank-Oberschule werden die Lernaufgaben in Absprache mit den Lehrkräften aus den Fächern Mathematik, Englisch, Deutsch und WAT erstellt und auch entsprechend in den jeweiligen Fächern benotet.
Hintergrund zur Schule
Vor mehr als 10 Jahren erfuhr die Schule durch den „Projektverbund Praxislernen“ erste Informationen zum Praxislernkonzept. Die Lehrkräfte der Schule waren bald überzeugt, dass das Konzept die Lernerfahrungen der Schülerinnen und Schüler bereichern würde, so dass die Abstimmung zur Einführung des PXL-Konzepts im Rahmen der Schulkonferenz alsbald erfolgte. Seitdem hat die Schule ihr Konzept stetig weiterentwickelt. 2009 wurde die Schule mit dem Berufswahl SIEGEL „Schule mit hervorragender Berufsorientierung“ ausgezeichnet.
Praxislernen wird in der 9. Klasse umgesetzt. Als Organisationsform hat sich die Schule für einen regelmäßig stattfinden Praxislerntag in der Woche – abwechselnd in der Schule und am jeweiligen Praxislernort – entschieden. Alle Schülerinnen und Schüler erhalten individuelle Lernaufgaben, deren Dokumentation in Form einer Präsentationsmappe erfolgt. Diese Präsentationsmappe wird fächerbezogen zensiert. Die Praxistage an außerschulischen Lernorten werden in der Schule sowohl inhaltlich als auch organisatorisch vor- und nachbereitet.
4. Die anschließende Betriebsbesichtigung wurde von zwei CEMEX Mitarbeitern durchgeführt. Die Führung berücksichtigte die Bereiche Rohstoffgewinnung, Rohstofflagerung, Rohstoffbearbeitung, Labor und Produkterzeugung (Wärmetauscher, Ofenanlage, Rollenpresse).
Themen während der Besichtigung der verschiedenen Bereiche:
Rekultivierung (Was geschieht mit dem Werksgelände nach der Beendigung des Tagebaus?), Nachhaltigkeit (Welche Maßnahmen zum Umweltschutz ergreift das Unternehmen?), Geschichte und Entwicklung des Werkes; Ausbildung – Übernahme – Beschäftigung – Arbeitsschutz; Entstehung, Gewinnung und Konsistenz der regionalen Rohstoffe; Energieverbrauch und Reduktion des Energieverbrauchs (Was ist Fluff? – Ersatzbrennstoffe, die aus Abfällen gewonnen werden)
 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Betriebsbesichtigung CEMEX / (c) NWZ-PXL 2018 „all rights reserved“

5. Als letzten und inhaltlichen Schwerpunkt ging es um das Erarbeiten von Praxislernaufgaben anhand der gesammelten Informationen aus dem Eingangsinput und der Betriebsbesichtigung. Geplant war mit Hilfe einer vom PXL-Team vorbereiteten Folie (siehe Powerpointpräsentation am Ende des Beitrags) gemeinsam mögliche Aufgabenstellungen zu verschiedenen Bereichen im Unternehmen zu formulieren. Der noch verbliebener Zeitrahmen und die Bedarfe der Teilnehmenden erforderten jedoch ein Abrücken von der geplanten Agenda.
Daher wurde ein offener Austausch mit folgenden zentralen Ergebnissen initiiert:

Allgemein zum Thema Praxislernen:
Stärkere Vernetzung unter den Schulen innerhalb einer Region.
Vorschlag: Eine online-basiertes Portal zur Bereitstellung von Praxislernaufgaben  anlegen! Interessierte könnten sowohl selbst ihre Aufgaben zur Verfügung stellen als auch von anderen eingestellte Aufgaben nutzen.
Mehr Informationen zu PXL in Förderschulen bereitstellen.
Zum Workshop
Betriebsbesichtigung und Durchführung von CEMEX wurde als sehr positiv erlebt.
Inhalte der Tagungsmappe wurden als hilfreich bewertet.
Der von der Anne-Frank-Oberschule gegebene Input wurde als positive Unterstützung für die eigene Arbeit eingeschätzt.
Bedarf an weiterer Unterstützung durch das Ministerium:
Geäußerte Ideen/Anmerkungen/Diskussionspunkte:
Ein Fach BStO wie in der SEK II auch in der Sek I einzuführen.
Bessere Koordination aller BStO-Aktivitäten und Angebote (Koordination und Beratung aus einer Hand).
Die Einbeziehung der Agentur für Arbeit im Rahmen von BStO- Angeboten sollte verbessert werden.
Die Organisation der Schülerbetriebspraktika von den BUSS Beratern koordinieren lassen, da bereits das Finden von Praktikumsplätzen generell aufwändig und kompliziert sei. Es folgte eine rege Diskussion darüber, ob diese Verantwortlichkeit bei der Schule verbleiben oder an eine zentrale Organisationsstelle weitergegeben werden sollte.
 

3. Auswertung und Feedback

Am Ende des Workshops wurden die Teilnehmenden gebeten, zu fünf Fragestellungen jeweils einen Punkt auf einer Bewertungsskala von 1 bis 5 zu vergeben. Mit Hilfe einer Evaluationszielscheibe erfolgte dann die Bewertung (siehe Abbildung 1):

Abbildung 1: Evaluationszielscheibe

 

 

 

 

 

 

 

Relevanz des Themas für die Arbeit am Praxislernen Konzept an meiner Schule
8* Benotung mit „zwei“; 1* Benotung mit „drei“

Übertragbarkeit der Inhalte auf meine Arbeit
2,5* Benotung mit „eins“; 6 * Benotung mit „zwei“; 0,5 * Benotung mit 3; 1 Benotung mit „vier“

Erhalten von hilfreichen Anregungen
3* mit der Benotung „eins“; 5 * mit der Benotung „zwei“; 2* mit der Benotung „drei“

Interesse an zukünftigem Austausch mit Lehrkräften
10* mit der Benotung „eins“

Aufbau des Workshops
8* mit der Benotung „eins“; 2* mit der Benotung „zwei“

 

4. Fazit für zukünftige Workshops und Veranstaltungen

  • Die Kombination -Workshop und Betriebsbesichtigung- kam bei den Teilnehmenden sehr gut an.
  • Der zeitliche Rahmen sollte mehr Spielraum geben, um flexibel auf die Bedarfe der Teilnehmenden eingehen zu können (möglichst ganztägig; ausreichend Zeit für Erholung im Anschluss an die Betriebsbesichtigung einplanen).
  • CEMEX präsentierte sich als engagierter Kooperationspartner und ist für weitere Veranstaltungen sehr empfehlenswert.

Die Präsentation der Veranstaltungen Erstellen von Praxislernaufgaben mit Berufsbezug am 31.5.2018 | .pdf (588 KB)