Was ist Praxislernen?

Praxislernen

    • ist ein besonderer, praxisorientierter Unterrichtsansatz. Es zeichnet sich durch eine enge Verknüpfung der fachbezogenen Festlegungen des schulinternen Curriculums mit der Praxistätigkeit von Schülerinnen und Schülern in Betrieben oder Werkstätten aus. Über individuelle Lernaufgaben aus verschiedenen Fächern werden Unterrichtsinhalte mit den Erfahrungen aus der Praxis verzahnt. Für die Durchführung werden gemäß dem fachübergreifenden bzw. fächerverbindenden Ansatz Stunden und Unterrichtsinhalte mehrerer Fächer zusammengefasst.

 

 

 

Praxislernen versteht sich nicht nur als ein regelmäßiges Praktikumsangebot. Die Erfahrungen an den außerschulischen Lernorten werden zum Anlass genommen, Fragen aufzuwerfen, Lernmotivation zu schaffen sowie Neigungen und Defizite der Schülerinnen und Schüler aufzudecken. Angeregt durch die Tätigkeit in der Praxis erhalten die Jugendlichen in der Schule die Gelegenheit, ihren Bildungsinteressen zu folgen und ihren Lernprozess zu reflektieren. Unter Berücksichtigung der persönlichen Interessen und des Entwicklungsstandes schafft der Praxislernansatz die Möglichkeit, im wirklichen Leben (entdeckend) zu lernen und hierbei personale und soziale Kompetenzen sowie Kenntnisse über die Anforderungen der Arbeitswelt zu erwerben.

Durch die Ausweitung von Praxiseinsätzen in Betrieben und die Verknüpfung der betrieblichen Erfahrungen mit Unterrichtsinhalten entstehen neue Verzahnungsformen zwischen Schule und Wirtschaft. Die zentralen Anforderungen und rechtlichen Grundlagen sind in den Verwaltungsvorschriften zur BStO (VV BStO) vom 8. November 2016 aufgeführt. 

Beim Praxislernen erwerben die Schülerinnen und Schüler wichtige Kompetenzen und Orientierungen für ihr Schülerbetriebspraktikum. Das Betriebspraktikum selbst wird aufgrund einer anderen pädagogischen Ausrichtung jedoch nicht unter dem Begriff Praxislernen erfasst.

Praxislernen fügt sich in eine systematische, individuelle und praxisorientierte Berufs- und Studienorientierung ein …

  • durch die sinnvolle Verzahnung mit der Potenzialanalyse, dem Berufswahlpass, dem Schülerbetriebspraktikum und weiteren Aktivitäten.
  • im Rahmen der fachbezogenen Festlegungen schulinterner Curricula durch den fächer-verbindenden und fachübergreifenden Ansatz.

Auch das Produktive Lernen ist ein praxisorientiertes Unterrichtskonzept, das in den 2000er Jahren an ausgewählten Schulen des Landes Brandenburg eingeführt wurde. Mit dem Praxislernen hat es viele Gemeinsamkeiten. Ein wichtiger Unterschied ist, dass es beim Praxislernen um die Ergänzung des Schulunterrichtes durch praxisorientierte Unterrichtsformen geht. Daher bezieht es konzeptionell alle Schüler und Schülerinnen ein. Das produktive Lernen richtet sich vorrangig an SuS, die in ihrem Schulweg vom Scheitern bedroht sind. Pädagogische und motivationale Aspekte spielen hier eine größere Rolle, wenngleich auch das Praxislernen u.a. eine Stärkung der Lernmotivation zum Ziel hat.

 

Qualitätskriterien des Praxislernens in der Sekundarstufe I

KERNKRITERIEN

Die Kernkriterien definieren die essentiellen Grundlagen des Praxislernens.

  • Das Praxislernen ist fester Bestandteil des Schulprogramms und wird von der Schule organisiert.
  • Die Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern sind über die Zielstellungen und Inhalte des Praxislernens informiert.
  • Praxislernen findet insbesondere außerhalb des Lernorts Schule in Betrieben, in sozialen und öffentlichen Einrichtungen statt. Darüber hinaus kann es auch in überbetrieblichen Werkstätten durchgeführt werden. Zwischen Schule und dem jeweiligen Praxislernort ist eine schriftliche Kooperationsvereinbarung zu schließen.
  • Das Praxislernen soll an mindestens 30 Unterrichtstagen verteilt auf bis zu zwei Schuljahre durchgeführt werden.
  • Am Praxislernen sind mindestens drei Fächer beteiligt.
  • Die Schülerinnen und Schüler erhalten konkrete Lernaufgaben zu ihrer Praxistätigkeit, die mit dem Betrieb bzw. der Werkstatt abgestimmt sind.
  • In die Lernaufgaben – das Praxislerncurriculum – fließen die Inhalte der Rahmenlehrpläne der beteiligten Fächer ein. Die Praxislernaufgaben werden in den beteiligten Fächern benotet.
  • Die Ergebnisse werden im Berufswahlpass dokumentiert.

ENTWICKLUNGSKRITERIEN

Die Entwicklungskriterien dienen zur Orientierung bei der qualitativen Weiterentwicklung. Sie sind nicht obligatorisch.

  • Praxislernen wird kontinuierlich und daher in mindestens zwei Jahrgangsstufen durchgeführt.
  • Für die Planung und Durchführung gibt es ein fächerübergreifendes, schulisches Gremium.
  • Den Schülerinnen und Schülern wird das Kennenlernen mehrerer Berufsbilder ermöglicht.
  • Die Schülerinnen und Schüler präsentieren die Ergebnisse vor einem Publikum, zum Beispiel vor der Klasse, auf einem Elternabend oder vor den beteiligten Unternehmen.
  • Neben den fachlichen Leistungen wird auch das Arbeits- und Sozialverhalten bewertet.
  • Die Ergebnisse von Kompetenzfeststellungsverfahren (Potenzialanalyse) und die Arbeit mit dem Berufswahlpass werden in das Praxislernen einbezogen.
  • Das Praxislernen wird regelmäßig durch die Schule evaluiert und weiterentwickelt. Die Lehrkräfte nehmen regelmäßig an Fortbildungen teil.
Ein Hinweis zum Mindestumfang!

Praxislernen entfaltet sein volles Potential dann, wenn es mit einer gewissen Kontinuität über einen längeren Zeitraum durchgeführt wird. Betriebe brauchen Zeit, um den Jugendlichen kennen zu lernen. Der Jugendliche braucht Zeit, sich in die Abläufe einzufinden und Arbeitsbeziehungen zu den Mitarbeitern im Unternehmen aufzubauen. Das ist der Hintergrund des Kriteriums eines Mindestumfangs von 30 Tagen. Es ist als ein Richtwert zu verstehen. Zu berücksichtigen ist, dass manchmal bestimmte Rahmenbedingungen vor Ort zur Einschränkung dieses Umfangs führen können.

 

Die Qualitätskriterien als Download: PXL Qualitätskriterien| .pdf (262 KB)

 

Positive Erfahrungen mit Praxislernen

Langjährige Erfahrungen mit dem Praxislernen verzeichnen sehr positive Ergebnisse für die Jugendlichen, die Kooperationspartner, die Lehrkräfte und für Eltern. Das betrifft die Ausbildungsreife ebenso wie die fachlichen, personalen und sozialen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler. Nicht selten eröffneten sich durch das Praxislernen bereits frühzeitig konkrete Aussichten auf einen Ausbildungsplatz. Ein gutes Beispiel, wie Praxislernen erfolgreich umgesetzt werden kann, zeigt sich an der Europaschule in Guben. Dort gehen Neunt- und Zehntklässler einen Tag pro Woche in die Unternehmen vor Ort und lernen den Berufsalltag kennen. Mehr dazu unter: Praxislernen an der Europaschule Guben
Trotz so mancher Herausforderung, die sich bei Umsetzung und Weiterentwicklung des Praxislernens stellt, haben fast alle ehemaligen Modellschulen das Praxislernen weitergeführt und in ihr Schulprogramm integriert.
 

Positive Aspekte des Praxislernens

  • Jugendliche kennen ihre Interessen und Fähigkeiten besser.
  • Durch das Bewusstwerden der Bedeutung von Fachwissen im Umgang mit Aufgaben im Berufsalltag erhöhen sich Lern- und Abschlussmotivation.
  • Die Bearbeitung und Präsentation von Praxislernaufgaben stärken Schülerinnen und Schüler bei der individuellen Lernplanung und Bewältigung komplexer Aufgabenstellung.
  • Soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit und werden gestärkt.
  • Die individuelle Auseinandersetzung mit verschiedenen Praxislernorten fördert die Berufswahlkompetenz.
  • Es entstehen neue Chancen auf einen Praktikums- und Ausbildungsplatz.

 

Jugendliche

Endlich verstehe ich, wozu ich all die Sachen in der Schule gelernt habe, es macht Sinn, als Maler und Lackierer Flächenberechnung zu können.16-Jährige Schülerin einer Praxislernklasse
  • Jugendliche kennen ihre Interessen und Fähigkeiten besser.
  • Durch das Bewusstwerden der Bedeutung von Fachwissen im Umgang mit Aufgaben im Berufsalltag erhöhen sich Lern- und Abschlussmotivation.
  • Die Bearbeitung und Präsentation von Praxislernaufgaben stärken Schülerinnen und Schüler bei der individuellen Lernplanung und Bewältigung komplexer Aufgabenstellung.
  • Soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit werden gestärkt.
  • Die individuelle Auseinandersetzung mit verschiedenen Praxislernorten fördert die Berufswahlkompetenz.
  • Es entstehen neue Chancen auf einen Praktikums- und Ausbildungsplatz

 

Schulen

Durch die Einführung des Praxislernens bin ich vom Wissensvermittler zum Lernbegleiter geworden, und ich gehe zur Arbeit mit dem Gefühl, etwas bewirken zu können.Oberschullehrer, 25 Jahre im Schuldienst
  • Schulen schärfen ihr Profil in der Berufs- und Studienorientierung.
  • Praxiserfahrungen werden intensiver mit Lernprozessen verknüpft, das Angebot an Lernorten wird erweitert.
  • Lehrerinnen und Lehrer können ihre Schülerinnen und Schüler auf neuem Wege für ihre Fächer aufschließen und begeistern.
  • Die Zahl der erfolgreichen Schulabgänger steigt.
  • Durch die Vielzahl der außerschulischen Partner und die Kooperation mit anderen Schulen entstehen Netzwerke, die eine qualitative und quantitative Weiterentwicklung erleichtern.

 

Unternehmen

Seit fünf Jahren bieten wir Praktikumsplätze für Schüler aus Praxislernklassen an. Eine gute Möglichkeit, unsere Ausbildungsplätze mit Jugendlichen zu besetzen, die unseren Betrieb kennen und ins Team passen.Geschäftsführer eines Dentallabors
  • Betriebe können ihren potenziellen Nachwuchs frühzeitig und besser kennenlernen.
  • Sie haben Wettbewerbsvorteile bei der Gewinnung von Nachwuchs.
  • Sie fördern die Lernmotivation von Jugendlichen, indem sie die Bedeutung von Fachwissen in ihrem Betrieb aufzeigen.
  • Das Lernen in Betrieben verbessert die Ausbildungsfähigkeit von Jugendlichen.
  • Betriebe geben wichtige Unterstützung bei der Vorbereitung auf den Übergang in eine Ausbildung oder ein Studium.