Finanzierung

Wie kann das Praxislernen finanziert werden?

Praxislernen kann gemäß Nr. 20 Abs. 4 VV BStO in Betrieben sowie in öffentlichen und sozialen Einrichtungen durchgeführt werden. Ebenso ist eine Durchführung in überbetrieblichen und vergleichbaren Berufsbildungsstätten möglich. Mittel für die Nutzung von Räumlichkeiten, Material- und Personalkosten, wie sie beim Praxislernen in Berufsbildungsstätten bzw. externen Werkstätten anfallen, müssen beim Praxislernen in Betrieben nicht durch die Schule finanziert werden. Da die Schülerinnen und Schüler in wettbewerbsfähige Unternehmen gehen, sind die entstehenden Kosten überschaubar: Nach der Planungs- und Einführungsphase verbleiben vor allem die Fahrtkosten für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler zu den Praxislernorten. Darüber hinaus sind ggf. notwendige Arbeitsschutzbekleidung und eine Gesundheitsbescheinigung zu finanzieren.Um die Einführung und Durchführung des Praxislernens zu unterstützen, gibt es für Oberschulen, Gesamtschulen und Schulen mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Lernen“ in der aktuellen EU-Förderperiode 2014-2020 die Möglichkeit, zusätzliche Mittel aus dem ESF-Landesprogramm ″Initiative Sekundarstufe I″ (INISEK I) zu erhalten.
Mit den über INISEK I abrufbaren Mitteln können zum Beispiel, Kosten für Personal in externen Werkstätten (Lehrausbilder etc.), Materialkosten, sowie ggf. entstehende Fahrtkosten für den Transport der Schülerinnen und Schüler zu den Praxislernorten finanziert werden. Voraussetzung ist die fristgerechte Einreichung der Bedarfsanmeldung bei dem für die Schule zuständigen Regionalpartner: Kobra.net für die Schulamtsbereiche Neuruppin und Brandenburg an der Havel und die Stiftung SPI für die Schulamtsbereiche Frankfurt (Oder) und Cottbus.
Die Regionalpartner informieren und beraten Sie gerne umfassend zu allen Fragen der Antragstellung. Stiftung SPI: SPI Stiftung INISEK I
Eine weitere Möglichkeit der Finanzierung ist die Einwerbung von Mitteln durch Spenden, Mitgliedsbeiträge eines Fördervereins, Preisgelder aus Schulwettbewerben oder durch Einnahmen einer Schülerfirma – einige Schulen im Land Brandenburg praktizieren diese nachhaltige Form der Finanzierung von eigenen Angeboten erfolgreich.
 

Finanzierung der Fahrtkosten für Lehrkräfte im Detail

Bei den Fahrten zwischen Praxislernort und Schule handelt es sich um Dienstreisen. Werden diese mit dem privaten PKW absolviert, haben Lehrerinnen und Lehrer laut Bundesreisekostengesetz einen Anspruch auf Wegstreckentschädigung von 0,20 EUR pro gefahrenem Kilometer.

Finanzierung der Fahrtkosten für Schülerinnen und Schüler im Detail

Nach § 112 BbgSchG sind die Landkreise und kreisfreien Städte Träger der Schülerbeförderung. Das bedeutet, dass die Landkreise und kreisfreien Städte für die Schülerbeförderung zwischen Wohnort der Schülerinnen und Schüler und der Schule zuständig sind und auf der Grundlage einer entsprechenden Satzung zur Schülerbeförderung die Fahrtkosten tragen.
Die Fahrten zum Praxislernen sind dagegen in der Regel Fahrten vom Wohnort der Schülerinnen und Schüler zum Praxislernort. In diesem Fall ist die Übernahme der Fahrtkosten Privatsache. Etwas anderes gilt, wenn die Fahrten zum Praxislernort nicht vom Wohnort, sondern von der Schule zum Praxislernort und zurück zur Schule aus erfolgen. In diesem Fall gelten die Fahrten als „Fahrten zwischen Unterrichtsorten“ und können nach § 110 Abs. 2 Satz 1 Nr. 5 BbgSchG über individuelle Regelungen mit dem Schulträger abgerechnet werden.
Für diese Variante gilt zu beachten, dass die Beantragung der Mittel konform mit dem Beginn des Haushaltsjahrs erfolgen muss. D.h. eine entsprechende Absprache zwischen Schule und Schulträger ist rechtzeitig vor Beginn eines Haushaltsjahres (entspricht Kalenderjahr) zu treffen.
Für Schulen im Kammerbezirk Potsdam besteht zudem die Möglichkeit, eine Fahrtkostenerstattung bei der IHK Stiftung Fachkräfte für Brandenburg zu beantragen, sofern der Praxis-Betrieb auch im Kammerbezirk ansässig ist.
Aus versicherungsrechtlichen Gründen ist es grundsätzlich untersagt, dass Lehrkräfte die Schülerinnen und Schüler mit ihren Privat-PKW zum Praxislernort bringen oder von dort abholen. Möglich sind von Eltern initiierte Fahrgemeinschaften; hierbei zu beachten ist allerdings, dass das Einverständnis aller an der Fahrgemeinschaft beteiligten Eltern eingeholt wird.
 

Finanzierung von Arbeitsschutzbekleidung

Gemäß den Regelungen in § 3 ArbSchG sind Arbeitgeber dazu verpflichtet, alle erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der Sicherheit und Gesundheit ihrer Beschäftigten zu treffen. Vom Begriff „Beschäftigte“ sind auch Schülerpraktikanten erfasst. Für die Maßnahmen zum Schutz der Sicherheit und Gesundheit seiner Beschäftigten hat der Arbeitgeber die erforderlichen Mittel bereitzustellen. Hierunter fällt auch diejenige Kleidung, die notwendig ist, um die Sicherheit und die Gesundheit der Beschäftigten bei der Ausübung ihrer Tätigkeiten sicherzustellen. Kosten für entsprechende Maßnahmen zum Schutz der Sicherheit und Gesundheit seiner Beschäftigten wie einer notwendigen Arbeitsschutzbekleidung darf der Arbeitgeber nicht den Beschäftigten auferlegen (vgl. § 3 Abs. 3 ArbSchG). Damit trägt der Praxislernort die Verantwortung für die Beschaffung einer etwaig erforderlichen Arbeitsschutzbekleidung für Schülerinnen und Schüler im Praxislernen, was die Übernahme der Kosten für die Bereitstellung von Arbeitsschutzbekleidung einbezieht.
Kann ein kooperationsbereiter Betrieb dieser Anforderung nicht nachkommen und gerät die Kooperation zwischen Schule und Betrieb dadurch in Gefahr, ist es lohnenswert über Alternativen nachzudenken. Einige erfahrene Praxislernschulen haben beispielsweise einen Pool von Arbeitsschutzbekleidung angelegt, aus dem die Bedarfe einzelner Schülerinnen und Schüler gedeckt werden können.

Finanzierung einer Gesundheitsbescheinigung

Einige Tätigkeiten verlangen die Vorlage einer Gesundheitsbescheinigung, dazu zählen etwa Tätigkeiten im Gastronomie- und Lebensmittelbereich. Die Kosten für diese Gesundheitsbescheinigung können gemäß § 110 Abs. 2 Nr. 9 BbgSchulG als Sachkosten vom Schulträger übernommen werden, sofern dieser die Absolvierung des Praxislernens an dem jeweiligen Ort als zwingend anerkennt. Andernfalls müssen die Kosten von den Schülerinnen und Schülern bzw. deren Eltern getragen werden.