FAQ

FRAGEN zum Praxislernen (1. Allgemein, 2. Schule, 3. Eltern, 4. Unternehmen)
Die Verwaltungsvorschrift zur Umsetzung der Berufs- und Studienorientierung (VV BStO) vom 8.11.2016 finden Sie unter: VV BStO

1. ALLGEMEINE FRAGEN

Was ist BStO?

Die Abkürzung BStO steht für Berufs- und Studienorientierung.
Gemeint ist damit ein individueller Lernprozess, der dazu beträgt, die persönlichen Wünsche, Interessen und Fähigkeiten der Schülerinnen und Schülern mit den Bedarfen und Anforderungen der Arbeitswelt in Einklang zu bringen. Ziel dieses Lernprozesses soll sein, junge Menschen zu einer Berufs- oder Studienwahl zu befähigen, die zu ihren Interessen und Fähigkeiten passt. Diese Befähigung wird als Berufswahlkompetenz bezeichnet. Mit der Landesstrategie zur BStO und den Verwaltungsvorschriften zur Umsetzung der BStO von 2016 hat das Land Brandenburg einen klaren Rahmen gesetzt, mit dessen Hilfe die Berufs- und Studienorientierung an allen Schulen im Land Brandenburg systematisiert umgesetzt werden kann. Schulen sind angehalten ein in sich stimmiges BStO-Profil an ihrer Schule zu etablieren. Dieses Profil kann individuell entwickelt werden und sich aus verschiedenen Bausteinen zusammensetzen. Dazu zählen zum Beispiel die obligatorische Arbeit mit dem Berufswahlpass (BWP) in den Jahrgängen 7-10, das in Jahrgang 9 obligatorische Schülerbetriebspraktikum, das fakultative Schülerbetriebspraktikum in Jahrgang 10, sowie weitere fakultative Elemente wie etwa: die Arbeit mit der Potenzialanalyse (PA), das Bewerbungstraining, Schülerfirmen, Betriebsbesichtigungen und – erkundungen, der Besuch von Berufemessen, das Wahrnehmen von Angeboten und Veranstaltungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) oder der Industrie- und Handelskammern (IHK) sowie Handwerkskammern (HWK) und nicht zuletzt das Praxislernen (PXL). 

Was ist Praxislernen?

Praxislernen ist eine besondere Form von Unterricht, für den es aufgrund langjähriger Erfahrung im Land Brandenburg mittlerweile Qualitätskriterien gibt und dessen Ziel – wie bei allen BStO-Maßnahmen – in der Förderung der Entwicklung von Berufswahlkompetenz besteht. Die Besonderheit des Praxislernens liegt in einer engen Verzahnung von schulischem Lernen und Lernen in der beruflichen Praxis. Diese Verzahnung wird durch eine kontinuierliche Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung des Lernens in der Berufspraxis durch die Schule sichergestellt. Herzstück ist dabei die Arbeit an den Praxislernaufgaben. Diese werden von der Schule im Idealfall fächerübergreifend und berufsfeldspezifisch konzipiert und von den Schülerinnen und Schüler sowohl im Praxislernunterricht in der Schule, als Hausaufgabe Zuhause und wenn möglich – während der Zeit in Betrieben oder anderen Einrichtungen bearbeitet. Die Erfahrung zeigt, dass durch das Praxislernen die Lernmotivation der Schülerinnen und Schüler steigen kann. Das Erkennen der Sinnhaftigkeit schulischer Lerninhalte sowie die Erfahrung von Erfolgserlebnissen in der praktischen Arbeit als auch die facettenreiche Orientierung in verschiedenen Berufsfeldern können dazu führen, dass die Schülerinnen und Schüler neue Fähigkeiten und Interessen an sich entdecken und auszubauen wünschen. Weitere Informationen lesen Sie unter 

Wie können Potenzialanalyse (PA) und Praxislernen (PXL) miteinander verknüpft werden?

Die Potenzialanalyse kann im an allen Ober-, Gesamtschulen und Schulen mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt ,Lernen‘ ab der Jahrgangsstufe 7 durchgeführt werden. Wird sie vor der Einführung des Praxislernens, das normaler Weise in den Jahrgängen 8 und 9 durchgeführt wird, eingesetzt, können die Ergebnisse aus dieser Kompetenzfeststellung gut für das Praxislernen genutzt werden. Sind die aktuellen Fähigkeiten und Interessen der Schülerinnen und Schüler eruiert, können diese die Suche nach einem passenden Praxislernort erleichtern. Außerdem können die Schülerinnen und Schüler ihre Ergebnisse aus der Potenzialanalyse mit ihren Erfahrungen aus dem Praxislernen abgleichen; idealer Weise werden sie so auch zum weiteren Nachdenken über ihre Fähigkeiten und beruflichen Interessen animiert. Potenzialanalyse und Praxislernen können also als sich wechselseitig ergänzende Instrumente bei der Entwicklung von Berufswahlkompetenz verstanden werden. 

Wann werden Potenzialanalyse und Praxislernen miteinander verknüpft?

Im Idealfall wird die Potenzialanalyse im 2. Schulhalbjahr der Klassenstufe 7 oder im 1. Schulhalbjahr der Klassenstufe 8 durchgeführt und ihre Ergebnisse als Grundlage für das Praxislernen in Jahrgang 8 und 9 genutzt. Die erstmalige Durchführung einer Potenzialanalyse ist für die Schulen kostenfrei! Zur Durchführung und Finanzierung siehe: Projektstelle Potenzialanalyse Brandenburg (PAB): https://www.kobranet.de/projekte/projektstellepotenzialanalysebrandenburg/projekt-und-projektstelle.html Darüber hinaus können natürlich weitere Potenzialanalysen durchgeführt werden, beispielsweise in Klasse 9. Die hierfür entstehenden Kosten werden jedoch nicht vom Land Brandenburg übernommen. Hierfür nutzen Sie Mittel Ihres Fördervereins und Preisgelder oder Sie beantragen Mittel bei relevanten Stiftungen (Bildung, Jugend u. ä.). Weitere Informationen erhalten Sie hier beim Projektträger Kobra.Net: https://www.kobranet.de/projekte/projektstellepotenzialanalysebrandenburg/projekt.html sowie auf der Homepage des MBJS: https://mbjs.brandenburg.de/bildung/uebergang-schule-beruf/berufs-und-studienorientierung/potenzialanalyse-als-kompass.html 

Wie können die Arbeit mit dem Berufswahlpass und das Praxislernen miteinander verknüpft werden?

Die von den Schülerinnen und Schülern im Rahmen des Praxislernens gesammelten Erfahrungen können die Punkte 2 und 3 im Berufswahlpass ergänzen (2: Mein Weg zur Berufswahl, 3: Dokumentation).

Was ist der Unterschied zwischen dem Schülerbetriebspraktikum (SBP) und dem Praxislernen?

Laut der Verwaltungsvorschrift zur Berufs- und Studienorientierung im Land Brandenburg von 2016 (VV BStO) ist das Schülerbetriebspraktikum in Klassenstufe 9 für einen Zeitraum von mindestens zwei bis höchstens drei Wochen, organisiert als Block, obligatorisch. Es findet im Rahmen des WAT-Unterrichts statt und soll das Verständnis der Berufs-und Arbeitswelt auf Seiten der Schülerinnen und Schüler erweitern sowie einen Beitrag zur Eignungsfeststellung für bestimmte Berufsbereiche leisten. Demgegenüber ist das Praxislernen fakultativ, sollte über einen Zeitraum von durchschnittlich 30 Tagen verteilt auf zwei Schulhalbjahre (ideal: zweites Halbjahr in Stufe 8 und erstes Halbjahr in Stufe 9) und unter Einbeziehung von mindestens drei Unterrichtsfächern (z.B. WAT, Deutsch, Mathe) durchgeführt werden. Beide Maßnahmen zielen nicht unmittelbar auf die Gründung eines Arbeits- bzw. Ausbildungsverhältnisses, können aber natürlich dazu beitragen, dass ein gut aufgebauter Kontakt zu einem Betrieb/Unternehmen oder einer sozialen Einrichtung letztlich in ein Ausbildungsverhältnis führt.
Aus pädagogischer Perspektive sind mit dem Praxislernen andere Motive und Ziele verbunden als mit dem Schülerbetriebspraktikum. Das Praxislernen soll zuallererst als ein Lernen in der Praxis verstanden werden, das den Schülerinnen und Schülern ermöglicht, Einblicke und Orientierung in die Berufs- und Arbeitswelt zu erhalten und ihre eigenen Interessen und Fähigkeiten zu entdecken und auszubauen. Stärker als beim Schülerbetriebspraktikum zielt das Praxislernen auf eine Erhöhung der Lernmotivation durch das Sammeln neuer Erfahrungen und Erfolgserlebnisse an einem Ort außerhalb der Schule. Im Rahmen der vierstufigen Entwicklungsphasen der Berufswahlkompetenz, wie sie die Landesstrategie zur Berufs- und Studienorientierung im Land Brandenburg ausweist, bezieht sich Praxislernen vornehmlich auf Stufe 1: Einstimmen und auf Stufe 2: Erkunden. Demgegenüber ist das SBP in Stufe 3: Entscheiden und Stufe 4: Realisieren zu verorten.
 

Können auch Gymnasien das Praxislernen durchführen?

Selbstverständlich kann das Praxislernen die Berufs- und Studienorientierung auch am Gymnasien ergänzen. Die in der Praxis gesammelten Erfahrungen können die Entscheidung für einen passenden Studiengang erleichtern. Im Gegensatz zu den Ober-, Gesamt- und Förderschulen (Schwerpunkt ,Lernen‘) können Gymnasien aber keine Mittel zur Umsetzung von Praxislernen im Rahmen des INISEK I-Programms abrufen. 

2. SCHULEN

Wer ist für die Organisation des Praxislernens zuständig?

Die Verantwortung für die Organisation des Praxislernens trägt die Schule. Empfohlen wird, dass sich eine Fachgruppe oder zumindest ein Praxislern-Team an der Schule bildet, damit nicht alle anfallenden Aufgaben allein bei einer beauftragten Lehrkraft verbleiben. Günstig ist immer, diese Gruppe aus Fachkräften der beteiligten Fächer zusammen zu stellen. Es sollten mindestens drei Unterrichtsfächer in das Praxislernen eingebunden werden. Welche Fächer das sind, entscheidet die Schule. Günstig ist bei der Entscheidung über die beteiligten Fächer, die Bedarfslage der Schülerinnen und Schüler sowie die Inhalte und Anforderungen der jeweiligen Berufsfelder zu berücksichtigen. Für die Koordinationsarbeit an der Schule können ggf. Abminderungsstunden schulintern vereinbart werden. 

Wie kann PXL organisiert werden?

Das Praxislernen kann an einem oder mehreren regelmäßig stattfindenden Praxistagen oder in einem oder mehreren Unterrichtsblöcken organisiert werden. Als Qualitätskriterium und Richtwert gelten 30 Tage verteilt auf zwei Schulhalbjahre. Grundlagen bilden die Kontingentstundentafeln (Sek I sowie für Schulen mit dem sonderpädagogischen Schwerpunkt „Lernen“ die Wochenstundentafel für den Bereich Lebenswelt- und Berufsorientierung) und der Rahmenlehrplan für die Jahrgangsstufen 1 bis 10 sowie die daraus entwickelten schulinternen Curricula (vgl. VV BStO).
Das Praxislernen sollte fächerübergreifend organisiert werden. Aus organisatorischer Sicht bringt dies den Vorteil mit sich, dass mehr Schulstunden für das Praxislernen zur Verfügung stehen. Für die Schülerinnen und Schüler bringt es den Vorteil mit sich, dass der Bezug zwischen schulischen Lerninhalten und der außerschulischen Lebenswelt aus ganz verschiedenen Perspektiven deutlich wird.
 

Welche Aufgaben kommen den Lehrkräften im Rahmen des Praxislernens zu?

Die Hauptaufgaben der Lehrkräfte aller am Praxislernen beteiligten Fächer bestehen in der Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung des Praxislernens. Dazu zählt die Information der Eltern ebenso wie das Erstellen geeigneter Praxislernaufgaben. Vor- und Nachbereitung des Praxislernens mit den Schülerinnen und Schülern finden im schulischen Unterricht innerhalb der für das Praxislernen festgelegten Zeiträume statt. Der Umfang und die Intensität der Begleitung hängt von pädagogisch notwendigen Bedingungen (individuelle Bedarfe der SuS) und dem festgelegten Umfang des Praxislernens innerhalb des Curriculums ab. 

Wodurch zeichnen sich geeignete Praxislernaufgaben aus?

Für das Erstellen der Aufgaben dienen die Inhalte aus dem Rahmenlehrplan und dem schulinternen Curriculum als Grundlage. Die Praxislernaufgaben sollen fächerübergreifend erstellt werden und einen klaren Bezug zur jeweiligen Arbeitswelt im Betrieb aufweisen.Gute Beispiele Praxislernen

Wie wird das Praxislernen mit Schulnoten bewertet?

Das Praxislernen wird durch Lerninhalte und Aufgaben aus verschiedenen Fächern, entsprechend dem schulinternen Curriculum, gefüllt. Die Beteiligung verschiedener Unterrichtsfächer am Praxislernen macht auch vor dem Hintergrund Sinn, als dass die Berufs- und Studienorientierung laut Rahmenlehrplan eine Querschnittsaufgabe aller Unterrichtsfächer ist. Aus den beteiligten Fächern werden – je nach von der Schule für das Praxislernen festgelegtem Stundenkontingent – Teile des Curriculums in das Praxislernen verlegt und dort auch bewertet. Es ergeben sich somit Noten, die anteilig in die Jahreszensuren einfließen. (vgl. VV BStO, Nr. 23 Absatz 2) 

Wo findet Praxislernen statt?

Praxislernen findet sowohl in der Schule als auch in Betrieben (oder Werkstätten) statt. Die Vor- und Nachbereitung sowie die entsprechende Begleitung der Schülerinnen und Schüler sind von der Schule zu leisten. Vor- und Nachbereitung finden vorrangig in den für den Praxislernunterricht festgelegten Zeiten in der Schule statt. Die Begleitung des Praxislernens bezieht sich vor allem auf die Unterstützung der Schülerinnen und Schüler während ihrer Zeiten im Betrieb. Dieser Begleitungsaufwand richtet sich nach den Bedarfen der Schülerinnen und Schüler und ist somit individuell ganz unterschiedlich hinsichtlich des zeitlichen Aufwands. Daneben können auch die Praxislernaufgaben als ein das Praxislernen begleitendes Element verstanden werden. Ihre Bearbeitung kann in der Schule, Zuhause oder im Betrieb stattfinden. 

Wie finde ich einen geeigneten Betrieb für das PXL?

Hierzu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum einen können die Wirtschaftskammern des Landes Brandenburg (IHK und HWK) als auch die Bundesagenturen für Arbeit die Suche nach einem geeigneten Betrieb unterstützen. Daneben besteht natürlich die Möglichkeit Schulveranstaltungen zu organisieren, zu denen direkt Vertreterinnen und Vertretern von Betrieben/Unternehmen aus der Region eingeladen und über das Praxislernkonzept der Schule informiert werden. Gerade in ländlichen, dünnbesiedelten Regionen ist es außerdem denkbar, Kontakte über Eltern oder ehemalige Schülerinnen und Schüler, die mittlerweile in der jeweiligen Region berufstätig sind, zu eruieren. Möglicherweise bestehen auch Kontakte zu Betrieben, in denen ehemalige Schülerinnen und Schüler ein Betriebspraktikum absolviert haben? Bei Fragen zur Kontaktaufnahme mit Betrieben, Unternehmen oder anderen Einrichtungen unterstützt Sie die Koordinierungsstelle Praxislernen gerne. Schicken Sie Ihr Anliegen per E-Mail an: info@praxislernen.de 

Was sollte bei der Auswahl der Praxislernorte berücksichtigt werden?

Da das Praxislernen auf die Entwicklung von Berufswahlkompetenz bei Jugendlichen abzielt, ist es sinnvoll, zunächst ihre Interessens- und Bedarfslage in den Blick zu nehmen. Dabei können die Ergebnisse aus der Potenzialanalyse eine hilfreiche Grundlage bilden. Weiterhin ist es sinnvoll, zunächst den Fokus auf Ausbildungsbetriebe zu richten. Dort sind ausgebildete Experten vor Ort, die die Schülerinnen und Schülern bei der Arbeit im Betrieb und ggf. bei der Bearbeitung ihrer Praxislernaufgaben unterstützen können. Aber selbstverständlich kommen auch alle anderen Betriebe, Unternehmen oder Einrichtungen in Frage, sofern sie sich bereit erklären auf den Entwicklungsstand der Jugendlichen beim Einsatz im Betrieb Rücksicht zu nehmen bzw. sich dazu in der Lage sehen. Besondere Einschränkungen bei der Wahl der Praxislernorte sind ansonsten nicht gegeben. Vor dem Einsatz in bestimmten Bereichen, etwa der Lebensmittelindustrie, kann zunächst ein Termin beim Gesundheitsamt notwendig sein, um eine Gesundheitsbescheinigung für die Schülerinnen und Schülern zu erhalten. Dieser muss von der Schule organisiert werden (vgl. VV BStO 2016, Nr. 25). Daneben sind – solange alle arbeitsschutzrechtlichen Bedingungen eingehalten werden – keine Einschränkungen gegeben. Über Praxislernrote außerhalb des Landes Brandenburg entscheidet die Schulleitung, ggf. nach Absprache mit dem zuständigen Schulamt. 

Wie wird das Praxislernen finanziert?

Bis zum Jahr 2020 werden alle Oberschulen, Gesamtschulen und Förderschulen mit dem Schwerpunkt ,Lernen‘ bei der Einführung von Praxislernen in Betrieben oder Werkstätten noch über das Programm INISEK-I finanziell unterstützt. Detaillierte Informationen unter:Finanzierung

Welchen Versicherungsschutz gibt es für die Schülerinnen und Schüler im Praxisbetrieb?

Das Praxislernen ist als schulische Veranstaltung ebenso umfassend versichert, wie beispielsweise das Schülerbetriebspraktikum. Voraussetzung ist eine Vereinbarung der Schule mit dem Praxislernbetrieb, eine Unterweisung der Schülerinnen und Schüler, eine Betreuung im Betrieb und die Einhaltung der Jugend- und Arbeitsschutzbestimmungen. Eine entsprechende Vereinbarungsvorlage finden Sie in der Anlage 2 der VV BStO 

3. ELTERN

Was ist Praxislernen?

Praxislernen ist eine besondere Form des Unterrichts, die im Land Brandenburg bereits seit 1999 durchgeführt wird und daher mittlerweile nach aus der Erfahrung entwickelten Qualitätsmerkmalen umgesetzt wird. Die gesamte Organisation des Praxislernens liegt in der Verantwortung der Schule. Durch die Teilnahme am Praxislernen erhält ihr Kind Einblicke in verschiedenen Berufe und wird dabei unterstützt, sich für einen zu ihm oder ihr passenden Beruf oder Studiengang zu entscheiden. Die Besonderheit besteht in der engen Verknüpfung von schulischem und außerschulischem Lernen. Idealer Weise wird das Praxislernen an insgesamt 30 Tagen, verteilt auf zwei Schulhalbjahre durchgeführt. Während dieser Zeit erhält ihr Kind in der Schule Praxislernunterricht und geht außerdem für einen festgelegten Zeitraum in einen Betrieb oder ein Unternehmen. Während des Praxislernunterrichts an der Schule wird ihr Kind auf den Einsatz in der Arbeitswelt vorbereitet, werden gewonnene Erfahrungen aus der Arbeitswelt aufgenommen und ausgewertet und auch besondere Praxislernaufgaben gestellt, die ihr Kind dann ebenfalls Zuhause und/oder während des Aufenthalts in Betrieb/Unternehmen bearbeitet. Diese Praxislernaufgaben werden fächerübergreifend, also beispielsweise mit Inhalten aus den Fächern WAT, Mathe und Deutsch, gestellt und sind außerdem auf den Einsatz in der jeweils gewählten Berufswelt zugeschnitten. So entsteht eine enge Verknüpfung zwischen schulischen Lerninhalten und den Erfahrungen aus der Praxis, die ihrem Kind dabei helfen, die eigenen Interessen und Fähigkeiten zu erkennen und weiter zu entwickeln. 

Welche Vorteile bietet das Praxislernen für mein Kind?

Da das Praxislernen eine enge Verknüpfung von schulischen Lerninhalten mit den Anforderungen der Berufswelt und den von ihrem Kind dort gesammelten Erfahrungen sicherstellt, ermöglicht das Praxislernen insbesondere das Erkennen der Sinnhaftigkeit von schulischen Lerninhalten für sein späteres Berufsleben. Dadurch kann die Lernmotivation ihres Kindes steigen und damit auch der Ehrgeiz, einen guten Schulabschluss zu erreichen. Auch in der Arbeitswelt gesammelte Erfolgserlebnisse können sich förderlich auf die Entwicklung ihres Kindes auswirken. Das durch die Schule begleitete Erkunden verschiedener Arbeitswelten hilft ihrem Kind dabei, Orientierung für die spätere berufliche Laufbahn zu gewinnen, seine Interessen, Fähigkeiten und Neigungen zu entdecken, weiterzuentwickeln und so bestens gerüstet in das Leben nach der Schulzeit zu starten. 

Wer bezahlt die notwendige Arbeitsschutzbekleidung für mein Kind?

Im Allgemeinen sind die Eltern für die Arbeitsschutzbekleidung der Kinder zuständig. Allerdings haben viele Betriebe Arbeitsschutzmaterialien vorrätig, die für den zeitlich überschaubaren Aufenthalt ihres Kindes an diesem Praxislernort ausgeliehen werden können. Ebenfalls gibt es Schulen, die einen Bestand an Arbeitsschutzbekleidung vorrätig haben, der entsprechend genutzt werden kann. Darüber hinaus übernehmen einige Schulträger nachgewiesene Kosten für Arbeitsschutzbekleidung. Weitere Möglichkeiten sind regional verschieden. Wenden Sie sich an das Sekretariat Ihrer Schule, dort hilft man sicher gerne weiter. 

Wer übernimmt die Fahrtkosten zum Praxislernort?

Die Fahrtkosten für die Schülerinnen und Schüler können bis 2020 noch über das Förderprogramm INISEK-I geltend gemacht werden. Voraussetzung ist, dass die Schule einen Förderantrag gestellt hat. Daneben besteht die Möglichkeit, die Fahrtkosten über eine Vereinbarung mit dem Schulträger zu finanzieren – über die jeweilige Regelung informiert Sie die Schule. Hinweis: Aus versicherungsrechtlichen Gründen wird im Allgemeinen untersagt, dass Lehrkräfte die Schülerinnen und Schüler mit ihrem Privat-PKW zum Praxislernort bringen oder von dort abholen. Eltern können dies für ihre eigenen Kinder erledigen. Mit einem schriftlichen Einverständnis aller beteiligten Eltern können auch andere Kinder mitgenommen, also Fahrgemeinschaften gebildet werden. Weiterführende Informationen haben wir unter Finanzierung zusammengestellt. 

Wer ist für die Einhaltung des Arbeitsschutzgesetzes am Praxislernort verantwortlich?

In der Verwaltungsvorschrift zur Berufs- und Studienorientierung (VV BStO 2016) ist formuliert, dass Vertreter des Praxislernortes zu benennen sind. Diese sind in der „Vereinbarung über die Durchführung des Praxislernens“ namentlich zu unterlegen. Für die Dauer des Praxislernens unterliegen die Schülerinnen und Schüler den für den jeweiligen Betrieb geltenden gesetzlichen und innerbetrieblichen Regelungen zum Arbeitsschutz. 

Welchen Versicherungsschutz gibt es für die Schülerinnen und Schüler im Praxisbetrieb?

Das Praxislernen ist als schulische Veranstaltung ebenso umfassend versichert, wie beispielsweise das Schülerbetriebspraktikum. Voraussetzung ist eine Vereinbarung der Schule mit dem Praxislernbetrieb, eine Unterweisung der Schülerinnen und Schüler, eine Betreuung im Betrieb und die Einhaltung der Jugend- und Arbeitsschutzbestimmungen. Eine entsprechende Vereinbarungsvorlage für die Kooperation zwischen Schule und Betrieb kann in der Anlage 2 der VV BStO eingesehen werden. 

Wird das Praxislernen auch mit Schulnoten bewertet?

Das Praxislernen wird durch Inhalte aus verschiedenen Fächern, entsprechend dem schulischen Rahmenlehrplan gefüllt. Aus den beteiligten Fächern werden – je nach von der Schule für das Praxislernen festgelegtem Stundenkontingent – Inhalte des Lehrplans in das Praxislernen verlegt und dort auch bewertet. Es ergeben sich somit Noten, die anteilig in die Jahreszensuren einfließen.

4. UNTERNEHMEN

Was ist Praxislernen?

Hinter dem Begriff „Praxislernen“ verbirgt sich ein im Land Brandenburg seit 1999 erprobtes Unterrichtskonzept, das eine enge Verbindung zwischen dem Lernen in der Schule und den Anforderungen innerhalb der Arbeitswelt herstellt. Es stellt einen Baustein der vom Land Brandenburg festgelegten Strategie zur Berufs- und Studienorientierung von Jugendlichen dar und unterliegt mittlerweile besonderen Qualitätsmerkmalen (Qualitätskriterien des Praxislernens in der Sekundarstufe I | .pdf (262 KB). Zentrales Anliegen ist es, den Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit zu eröffnen, erste Erfahrungen in der Arbeitswelt zu sammeln und diese Erfahrungen mit dem schulischen Lernen in Verbindung bringen zu können. Daher teilt sich das Praxislernen in festgelegte Zeiten an der Schule und festgelegte Zeiten in Betrieben oder Unternehmen auf. Im Praxislernunterricht an der Schule werden die Schülerinnen und Schüler auf ihren Einsatz in der Arbeitswelt vorbereitet. Ebenso werden die in der Arbeitswelt gesammelten Erfahrungen und Erkenntnisse im schulischen Unterricht nachbereitet und ausgewertet. Auch die Begleitung der Schülerinnen und Schüler während ihrer Zeit im Betrieb wird – je nach Bedarf der Schülerinnen und Schüler – vorrangig von der Schule geleistet. Im Rahmen des Praxislernens erhalten die Schülerinnen und Schüler sogenannte Praxislernaufgaben, die mit Inhalten aus verschiedenen Fächern (z.B. WAT, Mathe und Deutsch) bestückt sind und auf die verschiedenen Anforderungen und Aufgaben des jeweiligen Berufs zugeschnitten sind. Über die Arbeit an diesen Praxislernaufgaben sollen die Schüler erkennen lernen, inwiefern schulische Lerninhalte bedeutsam für das Leben in der Arbeitswelt sind. Das kann helfen, persönliche Interessen und Fähigkeiten zu entdecken, weiter zu entwickeln und motiviert zu einem guten Schulabschluss zu gelangen. Alle Fragen zum Praxislernen sind im Wesentlichen durch die aktuelle Verwaltungsvorschrift und die Landesstrategie zur Berufs- und Studienorientierung geklärt. 

Welche konkreten Aufgaben erwarten mich, wenn sich mein Betrieb/Unternehmen am Praxislernen beteiligt?

Die gesamte Organisation des Praxislernens liegt in der Verantwortung der Schule. Gleichwohl können Lehrerinnen und Lehrer nicht alle Anforderungen und Inhalte sämtlicher Berufszweige kennen und didaktisch aufarbeiten. Insofern sind Schulen sicherlich daran interessiert, Hinweise, Ideen oder Tipps für die Erstellung der Praxislernaufgaben für ihre Schülerinnen und Schüler zu erhalten. Daneben ist der Entwicklungsstand der Schülerinnen und Schüler zu bedenken. Naturgemäß bedürfen sie punktuell einer professionellen Anleitung, um die ihnen im Rahmen der Arbeit zugeteilten Aufgaben erfolgreich zu bewältigen. Und nicht zuletzt ist es für die Schülerinnen und Schüler auch von Vorteil, wenn sie einen festen Ansprechpartner während ihrer Zeit in Ihrem Betrieb haben, der ihnen ggf. Informationsmaterialien über den Betrieb, die anfallenden berufsspezifischen Aufgaben oder auch Unterstützung für die Lösung der von der Schule gestellten Praxislernaufgaben geben kann. Für eine erfolgreiche Implementierung von Praxislernen und eine gut funktionierende Kooperation zwischen Schule und Betrieb ist es daher lohnend, wenn zu Beginn Gespräche zwischen Vertretern des Betriebes und den zuständigen Lehrkräften geführt werden und klare Absprachen getroffen werden. 

Welche Vorteile bietet die Beteiligung am Praxislernen für meinen Betrieb?

Der größte Vorteil liegt sicherlich darin, dass sich Betriebe und Unternehmen frühzeitig ein Bild von ihren potenziellen Nachwuchskräften machen können. Über eine Beteiligung am Praxislernen können sie zudem kostenfrei und mit wenig Aufwand für ihr Unternehmen werben und sich so auch geeignete Nachwuchskräfte sichern. Außerdem erhalten Sie die Möglichkeit Einblick in die Arbeit von Schulen zu erhalten, sich an den von den Schülerinnen und Schülern zu bearbeitenden Praxislernaufgaben zu beteiligen und so nicht zuletzt Einfluss auf die Entwicklung der Ausbildungsfähigkeit Ihrer potenziellen Nachwuchskräfte zu nehmen. Damit kann langfristig ein Beitrag zur Sicherung Ihres Standortes geleistet werden. Kann ich mir als Unternehmen die Schule aussuchen, für die ich Praxislernplätze anbieten möchte?
Wenn Unternehmen oder Einrichtungen Praxislernplätze anbieten, können sich die Betriebe und die Schule ohne Koordinierung oder Vermittlung von außen vertraglich einigen.
Eine Ausnahme ist das Praxislernen in Werkstätten; hier gibt es durch die Vorgaben des Europäischen Sozialfonds ein Ausschreibungsverfahren. Im Rahmen von INISEK I (ein Förderprogramm, das noch bis 2020 läuft) beschreiben die Schulen ihren konkreten Bedarf. Die Bedarfsanalyse gelangt als Ausschreibung auf den Vergabemarktplatz Brandenburg und eingehende Angebote werden durch die beiden INISEK-Regionalpartner Kobra.net und Stiftung SPI bewertet und koordiniert, letztlich auch die notwendigen Ausgaben bezahlt. Kontakt zu den Regionalpartnern unter: Kooperationspartner und Unterstützer
 

Wie viele Schülerinnen und Schüler muss ich bei einer Beteiligung am Praxislernen aufnehmen?

Eine Festlegung gibt es nicht. Wie viele Schülerinnen und Schüler sie unterstützen möchten, hängt von der Größe und den Kapazitäten ihres Betriebes ab. Zeitliche und personelle Ressourcen sollten besonders gut überdacht werden.

Wer bezahlt die notwendige Arbeitsschutzbekleidung für die Schülerinnen und Schüler?

Grundsätzlich sind die Eltern für die Arbeitsschutzmaterialien der Kinder zuständig. In einigen Fällen kann die Finanzierung der Arbeitsschutzkleidung aber nicht ohne weiteres gestemmt werden. In dem Fall ist zunächst die Schule zuständig, um Lösungen zu finden. Möglicherweise gibt es in Ihrem Betrieb/Unternehmen aber auch die Möglichkeit, dass Arbeitsschutzbekleidung für den zeitlich überschaubaren Rahmen, innerhalb dessen die Schülerinnen und Schüler bei Ihnen lernen und arbeiten, auszuleihen? 

Wer ist für die Einhaltung des Arbeitsschutzgesetzes am Praxislernort verantwortlich?

In der Verwaltungsvorschrift zur Berufs- und Studienorientierung (VV BStO) ist formuliert, dass Vertreter oder Vertreterinnen des Praxislernortes zu benennen sind. Diese sind in der „Vereinbarung über die Durchführung des Praxislernens“ namentlich zu unterlegen.Für die Dauer des Praxislernens unterliegen die Schülerinnen und Schüler den für den jeweiligen Betrieb geltenden gesetzlichen und innerbetrieblichen Regelungen zum Arbeitsschutz. Das Praxislernen ist als schulische Veranstaltung ebenso umfassend versichert, wie beispielsweise das Schülerbetriebspraktikum. Voraussetzung ist eine Vereinbarung zwischen der Schule und dem Praxislernbetrieb, eine Unterweisung der Schülerinnen und Schüler, eine Betreuung im Betrieb und die Einhaltung der Jugend- und Arbeitsschutzbestimmungen.